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Personal | Fachkräftemangel Neue Wege in die Zukunft suchen

Nur jeder zweite Beschäftigte ist im Job zufrieden. Digitale Technologie kann helfen, Mitarbeiter durch bessere Work-Life-Balance und individuelle Weiterbildungsangebote stärker ans Unternehmen zu binden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

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Technisch ist das Digitalisieren der Produktion anspruchsvoll – aber Klaus Bauer denkt bei der Fabrik der Industrie 4.0 weiter. „Der Mensch soll dirigieren und entscheiden, sich aber nicht mit der Komplexität der Steuerung beschäftigen“, sagt der Leiter der Entwicklung Basistechnologie des Maschinenbauers Trumpf. Viele Jobs erfordern jetzt schon ein Grund-verständnis digitaler Technologien, im Büro wie in der Fertigung oder beim Erbringen von Dienstleistungen. Am Schreibtisch mit dem Rechner zu arbeiten ist normal, aber auch Maschinen werden per Tablet gelenkt, und beim Beraten setzen Dienstleister auf Datenbanken und Empfehlungssoftware. Die Programmierung verstehen nur wenige Beschäftigte – aber viele müssen sie im Arbeitsalltag nutzen können.

Gut wäre es aber, würde das Management die Belegschaft für die digitale Herausforderung begeistern und dafür qualifizieren. Generell begrüßen Beschäftigte in der EU neue Technologien, so die Accenture-Studie „Being digital – Embrace the future of work and your people will embrace it with you“. 

57 Prozent sagen, so würde ihr Arbeitsalltag sich verbessern. Jeder Zweite erwartet bessere Jobaus-sichten durch digitale Technologien. Trotz der Aufgeschlossenheit investiert nur jeder zweite Betrieb in digitale Fähigkeiten der Belegschaft – dabei finden zwei Drittel auf dem Arbeitsmarkt nicht genug Fachkräfte.

Erforderlich ist eine Personalpolitik, die auf Stärken und Qualifizierungswünsche der Beschäftigten eingeht. Der digitale Wandel ließe unterschiedliche Mitarbeitergruppen ihre Stärken ausspielen. Einsteiger der Generation Y und erfahrene Fachkräfte im Zenit ihres Schaffens ergänzen sich, falls Talentförderung und Weiterbildung auf diese Zielgruppen abgestimmt sind, damit die Belegschaft als Ganzes für die digitale Zukunft fit gemacht wird.

Wichtig wäre das auch zur Mitarbeiterbindung. Denn zufrieden, so die Accenture-Studie „#ListenLearnLead Global Research 2015“, ist kaum jeder zweite Beschäftigte. 

Während 14 Prozent wenigstens eine neue Heraus-forderung im Betrieb suchen, sind 32 Prozent auf dem Absprung. Verhindern kann den personellen Aderlass unter anderem Weiterbildung: 85 Prozent der Befragten schätzen solche Angebote sehr, 65 Prozent sehen sie als Chance, 59 Prozent meinen, sie seien dadurch befördert worden oder könnten ihre Rolle besser ausfüllen.

Das Wissen aller Mitarbeiter nutzen

Vor allem die Generation Y würde bei einer besseren Work-Life-Balance motivierter ans Werk gehen. Durch den Einsatz digitaler Technologien könnten Unternehmen flexiblere Arbeitszeiten und -modelle anbieten, was die Zufriedenheit der Mitarbeiter und ihre Loyalität stark erhöhen würde.

Walter Hagemeier hält es für entscheidend, schnell innovative Ideen zu entwickeln, damit nicht noch mehr Spezialisten verloren gehen, die sich kaum ersetzen lassen. 

„Demografische Entwicklung und Fachkräftemangel schleichen sich in die Konzerne ein“, warnt der Geschäftsführer und Leiter Accenture Strategy für Deutschland, Österreich und die Schweiz, und stellt fest: „Wir brauchen das kumulierte Wissen der erfahrenen Mitarbeiter.“

Dies sind die nächsten Schritte der Personalpolitik 

Personalstrategie auf Geschäftsmodell ausrichten: Personalplanung und -qualifizierung müssen zur übergeordneten digitalen Strategie des Unternehmens passen.

Flexible, agile Arbeitsmethoden ausprobieren: Mitarbeiter dürfen mithilfe von Analytics, Collaboration oder des Internets der Dinge neue Prozesse konzipieren und testen. 

 

Digitalen Qualifizierungsbedarf identifizieren: Für jede Aufgabe und Position müssen Art und Umfang der erforderlichen Digitalkompetenzen festgelegt werden. 

Digitalkompetenz der Mitarbeiter fördern: Neue Wege des Lernens, etwa Social-Learning-Plattformen oder Onlineforen, ermöglichen kontinuierliche Weiterbildung. 

Digitalkultur zum Führen entwickeln: Klare Vorgaben, enger Kontakt via Collaboration Tools und die Ermutigung innovativen Denkens machen Mitarbeiter entscheidungsfreudig. 

Quelle: Being digital – Embrace the future of work and your people will embrace it with you

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