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Corporate Citizenship | Career Moves Exzellente Trefferquote

Die Initiative Career Moves in Wien hilft Menschen mit Behinderung,
qualifizierte Jobs zu finden. Sie finanziert sich mit Mitteln des Sozial-
ministeriumservice, mit der Beratung von Unternehmen und künftig
mit Social Franchising ihres Konzepts ins Ausland. Unterstützt wird
die Strategieentwicklung in einem Pro-bono-Projekt von Accenture.

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Blinde mit dem absoluten Gehör stimmen die Pianos in Klavierfabriken. Enorm konzentrationsfähige Autisten finden kleinste Fehler in langen Programm-codes mit stets wiederkehrenden Zeichenkombi-nationen. Menschen mit Down-Syndrom werden durch ihre Freundlichkeit und Zuverlässigkeit zum Aus-hängeschild von Hotels und Gaststätten. Und trotzdem gelten solche Personen in der Öffentlichkeit pauschal als Behinderte, denen man helfen sollte, aber nichts zutraut. Diese Vorurteile entstehen mit Blick auf ihre besonderen Bedürfnisse – während individuelle Fähigkeiten und Stärken ausgeblendet, geschweige denn gezielt gesucht werden.

Diese Einstellung will Gregor Demblin mit seinem Team ändern. Dafür hat der seit einem Badeunfall querschnittsgelähmte Social Entrepreneur die Initiative Career Moves in Wien gegründet. Auf der Jobplattform finden Menschen mit Behinderung
und Arbeitgeber so zusammen, dass beide profitieren, sagt Demblin: „Menschen mit Behinderung können Leistungsträger sein, sie haben eine Chance am Arbeitsmarkt verdient.“ über 14 000 Stellen-

ausschreibungen seit 2009 und ein kontinuierlich steigendes Interesse der Wirtschaft zeigen, dass immer mehr österreichische Unternehmen dieses Potenzial erkennen – wohl auch, weil es angesichts des künftigen Fachkräftemangels unverantwortlich wäre, 15 Prozent der Bevölkerung nur wegen einer Behin-derung abzuschreiben. Dass darüber hinaus eine grundsätzliche Veränderung der Einstellung nötig ist, zeigt ein Appell von Willibald Cernko: „Menschen mit Behinderung sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft. Sie wollen kein Mitleid, sondern eine aktive Rolle spielen. Im Leben, in dieser Gesellschaft. Und das wollen wir ihnen bieten“, betont der CEO der Unicredit Bank Austria AG, der Career Moves seit Langem unterstützt.

Zum aktiven Gestalten gehört für Gregor Demblin auch Unabhängigkeit. Darum hält er die Initiative auf Expansionskurs – um seine Idee weiterzuverbreiten und künftig mit weniger öffentlichen Fördermitteln auszukommen, die derzeit noch überlebenswichtig sind. Unterstützt wird er von Accenture. Österreich-Geschäftsführer Klaus Malle war von seinem Konzept 

so begeistert, dass im Rahmen des Corporate-Citizen-Programms Skills-2-Succeed von Accenture ein umfassendes Pro-bono-Engagement vereinbart wurde. „Um wettbewerbsfähig sein zu können, brauchen wir Unternehmer, die mit ihren Fähigkeiten gesellschaft-liche Probleme nachhaltig lösen. Gregor Demblin stellt sich mit seiner Jobplattform ‚Career Moves‘ genau dieser Herausforderung“, meint Malle. „Durch die Weitergabe unserer Kernkompetenzen unterstützen wir ihn bei der strategischen Ausrichtung seines Geschäftsmodells und der Erschließung neuer Märkte.“

Die internationale Expansion läuft

Rund 90 Projekttage haben Accenture-Experten bisher freiwillig und für Career Moves unentgeltlich geleistet, um Demblin beim Entwickeln zweier Businesskonzepte zu unterstützen, damit sich das Projekt bald selbst tragen kann. Als guter Ansatz für die internationale Expansion wurde ein Franchisemodell identifiziert. Gemeinsam schreibt man ein Handbuch, das das Know-how zum Aufbau einer Jobbörse für Menschen 

mit Behinderung exakt dokumentiert. Damit können Franchisenehmer das österreichische Erfolgsmodell
in ihrem eigenen Land umsetzen. Derzeit werden Gespräche mit Interessenten geführt, unter anderem in Großbritannien und in Deutschland. Analog zum österreichischen Vorbild, wo Career Moves auf der technischen Plattform der Onlinejobbörse Careesma läuft, sollen auch im Ausland via Social Franchising zwei Partner aktiv werden – einer mit Glaubwürdigkeit beim Thema Menschen mit Behinderung, einer mit der nötigen technischen Infrastruktur. Binnen zwei Jahren soll der überwiegende Teil der notwendigen Mittel privatwirtschaftlich verdient werden. Für das geliefer-te Know-how sowie die gemeinsame Weiterent-wicklung erhält der Franchisegeber in Österreich dann eine Gebühr.

Viele Konzerne sind aufgeschlossen

Als zweites Standbein entwickelten die Experten von Career Moves und Accenture die Idee für ein Business-forum, in dem Führungskräfte der ersten und zweiten

Ebene sich über Erfahrungen und Fragen rund um die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung oder Erfolgsbeispiele austauschen können. Accenture öffnete hier einige Türen. „Viele Unternehmen stehen dem Thema aufgeschlossen gegenüber, wissen aber nicht, wie man wünschenswerte Veränderungen praktisch umsetzt“, berichtet Demblin. „Daher war es naheliegend, eine Diskussionsplattform für Vorstände zu schaffen sowie detaillierte Lösungsvorschläge für große und kleine Probleme anzubieten.“

Immer mehr Unternehmen nutzen die Beratungs-leistungen von Career Moves, denn es geht nicht nur darum, das eigene Umfeld für Beschäftigte mit körperlichen Einschränkungen behindertengerecht zu machen. Sogenannte Barrierefreiheit wird auch im Verkauf wichtiger – notwendige Veränderungen reichen von der besseren Erreichbarkeit eines Geschäfts für Rollstuhlfahrer über die Möglichkeit zur Onlinebestellung etwa für Blinde bis zum Entwickeln neuer Produkte für spezielle Zielgruppen. Klaus Malle ist sich sicher: „Die von Career Moves beratenen Unternehmen werden langfristig einen Wettbewerbs-vorteil haben.“

 

Steckbrief 
Career Moves

Unternehmenssitz: Wien
Gründer: Mag. Gregor Demblin,
Mag. Wolfgang Kowatsch
Stellenausschreibungen: mehr als 14 000
Branche: Dienstleistungen
Webseite: www.careermoves.at

Menschen mit Behinderung werden in vielen Unternehmen zu Leistungsträgern

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