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IT-Konsolidierung | Styrolution Erstklassige Mischung

Der Aufbau einer gemeinsamen ERP-Plattform zählt beim Post-Merger-Management zu den wichtigsten Themen. Mit seinem „Advanced Enterprise Service“ half Accenture dem Chemiekonzern Styrolution, Daten aus sieben Altsystemen in eine einheitliche, zukunftsfähige Lösung zu heben und harmonisierte Geschäftsprozesse zu etablieren.

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Nachher klingt alles so einfach: „Wir haben die vorhandenen Altsysteme in rekordverdächtiger Zeit verlassen“, sagt Christoph de la Camp, CFO beim Chemiekonzern Styrolution in Frankfurt, mit Blick auf die Installation einer einheitlichen ERP-Plattform für zu Projektbeginn 17 Produktionsstandorte in zehn Ländern. „Das integrierte System ermöglicht es, noch effizienter zu arbeiten sowie eine bessere Transparenz über wichtige Finanz- und Leistungsdaten herzu-stellen.“ Tatsächlich war die Schaffung der IT-Umgebung, die die Geschäftstätigkeiten, Prozesse
und Kennzahlen des weltgrößten Anbieters von
Styrolkunststoffen bündelt, eine Herkulesaufgabe.

Realisierung exakt nach Plan

Das IT-Team des Konzerns meisterte sie mit der Unterstützung von Accenture in rekordverdächtigen 22 Monaten genau nach Plan. Notwendig geworden war der Umstieg auf das einheitliche ERP-System,
weil bei Gründung des Joint Venture Styrolution im Jahr 2011 durch die Partner Ineos und BASF ein

Unternehmen mit sieben unterschiedlichen SAP-Systemen entstand. Die schnelle und effiziente Integration dieser IT-Landschaften war sehr anspruchsvoll, denn die Altsysteme zeichneten sich durch stark unterschiedliche Ausprägungen in Bereichen wie Finanzen, Buchhaltung oder Beschaf-fung aus. Standardisierte Geschäftsprozesse fehlten, die weltweiten Stammdaten wurden nicht einheitlich erfasst. Gefragt war daher eine ERP-Gesamtlösung, die Geschäftsprozesse harmonisiert unterstützt sowie sich kostengünstig betreiben lässt – und das so rasch wie möglich, da in der Post-Merger-Phase nur mit einem reibungslos funktionierenden ERP-System die wirt-schaftlichen Vorteile des Zusammengehens zu realisieren sind.

Zugleich galt es weiterhin bestimmte Lokalisierungs-anforderungen zu erfüllen, weil sich dieses Projekt auf 38 Gesellschaften in 25 Ländern mit so mancher wichtigen regionalen Besonderheit erstreckte. Ein zusätzlicher Zeitdruck entstand dadurch, dass einige der Altsysteme wegen Übergangsvereinbarungen innerhalb von zwei Jahren verlassen werden mussten.

Enge Vernetzung der Regionen

Dem Styrolution-CIO Tony Maddock war klar, dass die vorhandenen Altplattformen idealerweise weltweit durch eine einzige, integrierte ERP-Plattform ersetzt werden, die gezielt auf die Bedürfnisse des neuen Unternehmens zugeschnitten ist und so die Agilität erhöht. Wegen der dezentralen geografischen Struktur sollten die einzelnen Produktionsstandorte außerdem hinsichtlich Produktion, Logistik, Anlagenwartung und Qualitätsmanagement umfassend und voll auto-matisiert vernetzt werden.

Um den knappen Zeitplan von 22 Monaten zu halten, wurde Accenture mit der Unterstützung des Projekt-teams bei Entwicklung und Rollout an allen Stand-orten beauftragt. Für diesen Partner sprachen nicht nur eine globale Präsenz, umfassende Erfahrung mit SAP-Projekten sowie gute Referenzen bei ähnlichen ERP-Implementierungen in der Chemiebranche. „Mit ‚Accenture Advanced Enterprise Service‘ verfügen wir auch über eine industrialisierte Lösung zur Erstellung von ERP-Prozessen, was die Implementierung 

erheblich beschleunigt“, sagt Martin Hösler, Managing Director Accenture. „So ließ sich die Einhaltung des engen Zeitfensters zur Umsetzung des neuen ERP-Systems zusichern.“

Für den Rollout wählte Styrolution ein Hub-basiertes Liefermodell. Ein Team hatte weltweit die zentrale Kontrolle über Prozesse und Funktionalitäten. Unter-stützt wurde es von Experten an den regionalen Hauptstandorten, die spezielle lokale Anforderungen abdeckten. Das SAP Delivery Center von Accenture in Mumbai übernahm im Rahmen der Implementierung die effiziente Bereitstellung von SAP-Konfiguration, Dokumentation und Datenkonvertierung sowie das Entwickeln von Reports, Schnittstellen, Erweiterungen und Formularen. Noch mehr Aufmerksamkeit als bei vielen anderen ERP-Projekten erforderte die Konver-tierung der Daten. Bei Styrolution mussten rund 90 Datenobjekte aus sieben unterschiedlichen Altsys-temen harmonisiert, umgeschlüsselt und geladen werden, etwa Informationen zu chemischen Materialien, Kunden und Vermögenswerten. Weil die Daten extrem interdependent waren und Änderungen

eines Attributs rasch zu Änderungen anderer Attribute führten, arbeiteten Styrolution und Accenture in allen Schritten eng zusammen, damit die mehr als eine Million Stammdatensätze bei der Produktivsetzung konsistent blieben. Dies ließ sich unter anderem dadurch sicherstellen, dass 350 Entwicklungsobjekte gebaut und getestet sowie über 20 Peripheriesysteme eingerichtet und via SAP Process Integration (PI) mit dem ERP-System verbunden wurden.

Hohe Transparenz bei den Zahlen

Um sofort von einem strikten Finanzmanagement profitieren zu können, waren die saubere Abbildung der Kostenstrukturen sowie vollständige Transparenz bei Kosten und Rentabilität für Styrolution eine Grundvoraussetzung des neuen ERP-Systems. Konzerninterne und regionsübergreifende Geschäfts-aktivitäten sind hierbei eine große Herausforderung. Daher wurden die SAP-Module Material Ledger sowie Profitability Analysis implementiert, die Transparenz und vollständige Kontrolle über die Kosten ermöglichen.

Gemeinsam etablierten Styrolution und Accenture ein gut dokumentiertes Prozessmodell und eine moderne ERP-Lösung als Fundament für künftiges Wachstum. Deshalb fiel das Fazit nach 22 Monaten intensiver Zusammenarbeit sehr positiv aus. „Ich bin stolz darauf, dass wir dieses Projekt innerhalb eines ehrgeizigen Zeitplans nach klaren Anforderungen zusammen umgesetzt haben“, sagt Styrolution-CIO Maddock und betont außerdem einen weiteren Aspekt, der bei ähnlichen Vorhaben nicht in jedem Unternehmen selbstverständlich ist: „Gleichzeitig konnten wir alle Budgetvorgaben einhalten.“

Steckbrief
Styrolution Group GmbH

Unternehmenssitz: Frankfurt am Main, Deutschland
Unternehmensleitung: Kevin McQuade, CEO Mitarbeiter: rund 3100 (2014)
Umsatz: 5,4 Milliarden Euro (2014)
Branche: Chemie
Webseite: www.styrolution.com

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