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Human Resources 4.0 | Personalmanagement Bald kann jeder beim Finden helfen

Teams suchen, qualifizieren und motivieren ihre
Mitglieder künftig verstärkt selbst. Die Personal-
abteilung muss mithilfe neuer Technologien und
Konzepte alle Bereiche des Unternehmens
befähigen, passende Talente zu identifizieren
und optimal einzusetzen.

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Ob Big Data, Digitalisierung, Industrie 4.0, neue Geschäftsmodelle oder Smart Service – die Wirtschaft verändert sich schnell und tief greifend, die Unter-nehmen stehen vor großen Herausforderungen. Intensiv wird über künftige Fertigungs-, Vertriebs- oder Dienstleistungskonzepte sowie dafür erforder-liche IT-Strukturen diskutiert. Zum Teil allerdings droht die Konzentration auf technische und organi-satorische Fragen den Blick auf einen weiteren Erfolgsfaktor zu verstellen: die Beschäftigten.

Personaler müssen digitalisieren

„Wir müssen uns in allen Teilen des Unternehmens
auf die Reise begeben“, meint Katharina Heuer, Vor-sitzende der Geschäftsführung der Deutschen Gesell-schaft für Personalführung (DGFP). „Personaler müssen sich in diesen Transformationsprozess einbringen, sie nehmen an vielen Stellen eine Schlüsselrolle ein.“ Noch ist beim Einsatz digitaler Technologien im Personalbereich viel zu tun, so die Studie „The Digital Transformation of People Management" vom 

Forschungsinstitut Oxford Economics. Zwar sagen 84 Prozent der befragten Personalchefs, Business Analytics werde ihre Arbeit in den nächsten Jahren nachhaltig beeinflussen. Aber nur ein Drittel liefert anderen Bereichen strategisch wertvolle Erkenntnisse zur Auswahl und Qualifizierung von Mitarbeitern.

Thomas Sattelberger, Vorsitzender des Vereins HR Alliance, fordert analog zu Industrie 4.0 ein Personalmanagement HR 4.0. „Viele Personal-abteilungen wissen zu wenig über die technolo-gischen und sozialen Kräfte der Digitalisierung in der Arbeitswelt“, so der frühere Vorstand der Deutschen Telekom. „Momentan stabilisieren sie die Verhältnisse, statt die kreativen Potenziale für den Menschen zu entdecken.“ Dabei gehe die Zeit des zentralen Diri-gismus zu Ende. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie „Digital Radically Disrupts HR“, eine neue Analyse in der Accenture-Reihe „Trends Reshaping the Future of HR“. Kernthese: Durch den Einsatz digitaler Technologien verlagern sich viele den Mitarbeiter betreffende Entscheidungen von der zentralen Personalabteilung in die Fachabteilungen, Teams

oder sogar zu ihm persönlich. Wenn beispielsweise Informationen zu den Stärken und Schwächen sowie den Erfahrungen und Potenzialen eines Beschäftigten in einer Datenbank gespeichert und mithilfe von Analytics sinnvoll ausgewertet werden, kann er seine Karriere direkt mit seinen Vorgesetzten planen, ohne Umweg über die Personalabteilung. Eine eventuell notwendige Zusatzqualifikation lässt sich automatisch in die Wege leiten.

Weiterbildung wird individualisiert

Moderne Technologien ermöglichen es, dass Mit-arbeiter etwa mit Mobilgeräten lernen, wann und wo sie wollen – das Ergebnis, also der Erwerb neuer Kenntnisse oder Fähigkeiten, zählt schließlich mehr als die Anwesenheit zum vorgegebenen Zeitpunkt in einem Seminarraum. Gerade für die mit sozialen Medien, Tablets und Smartphones aufwachsende Generation Y sind Motivations- und Weiterbildungs-konzepte, die sich an Mechanismen von Computer-spielen orientieren, sehr wirkungsvoll.

An Gamification führt auch in der Personalarbeit kein Weg mehr vorbei. Werden so gewonnene Kenntnisse in einer gut gepflegten Datenbank verarbeitet, können sich für konkrete Aufgaben selbst organisierende Teams dort autonom Talente identifizieren, die sie zur Realisierung ihres Projekts brauchen. Selbst die Entlohnung der Mitarbeiter oder Zusatzgratifikationen könnten über Angebot und Nachfrage in solchen Datenbanken beeinflusst werden.

Weniger Experten leisten viel mehr

Das Umgehen der zentralen Personalabteilung heißt aber nicht, dass sie überflüssig wird. Im Gegenteil, meint David Gartside. „Zwar arbeiten dort künftig weniger Fachleute als bisher, aber ihre Tätigkeit wird von noch höherer strategischer Bedeutung sein als heute schon“, betont der Managing Director Strategy, Talent & Organization bei Accenture. „Sie stellen die – vor allem digitalen – Instrumente, mit denen das Fordern und Fördern der Mitarbeiter im operativen 

Bereich optimiert wird, und sie richten das Personal-management durch unternehmensweite, projekt-orientierte Verbesserungen auf die Anforderungen neuer Geschäftsmodelle und Smart Services in der digitalisierten Wirtschaft aus.“ 

www.accenture.com/DigitalDisruptsHR

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