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Digital Agenda | Standortpolitik Politiker müssen an die Zukunft denken

Die EU hat sich eine „Digital Agenda“ gegeben, liegt beim
Einsatz der digitalen Technologien aber hinter den USA
und China zurück. Einheitliche Regulierung, bessere
Ausbildung und verstärkte Investitionen in moderne
Infrastruktur können das ändern.

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Staatliche Infrastrukturprojekte sind eine Triebfeder der Wirtschaft: Die öffentlichen Investitionen in Verkehrswege etwa schaffen nicht nur Wachstum und Jobs, sondern bilden auch die Voraussetzung für den schnellen und preiswerten Transport von Menschen und Material. Davon profitieren alle Unternehmen, nicht nur die Auftragnehmer. Der Ausbau von Flug-häfen wie Frankfurt oder die neuen Alpentunnel zwischen Österreich beziehungsweise der Schweiz und Italien bilden die Basis der Entwicklung ganzer Wirtschaftsräume und Branchen – sie sind sichtbare Zeugen für ökonomische Stärke und Wettbewerbs-fähigkeit. 

Der Stolz auf beeindruckende Bauten mit einem klar erkennbaren Zweck darf aber nicht dazu führen, dass kaum noch Geld in weniger auffällige Projekte  gesteckt wird. Das gilt etwa für digitale Technologien: Sie haben längst begonnen, weite Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft zu verändern, ohne übermäßig sichtbar zu sein. Viele Facetten der Industrie 4.0 beispielsweise bleiben einer breiten Öffentlichkeit unbekannt. 

Sichtbar wird der Erfolg von Investitionen in diesem Bereich erst, wenn neue Geschäftsmodelle oder Unternehmen entstehen, die Wachstum und Wohl-stand steigern. Wird hier kein Geld ausgegeben, fällt eine Volkswirtschaft gegenüber denen zurück, die es verstehen, sich bietende Chancen beherzt zu nutzen. 

Ohne Unterstützung der Politik wird die digitale Dividende klein ausfallen 

Vor diesem Hintergrund erklärt sich der Appell des europäischen Arbeitgeberverbands Businesseurope an Politiker auf nationaler wie EU-Ebene, endlich Antworten auf die Herausforderungen zu geben, die sich für Wirtschaft und Gesellschaft aus der Digitalisierung ergeben. „Gründer wie etablierte Unternehmen würden gern ihr Potenzial nutzen und entwickeln, aber dafür brauchen sie bessere Rahmen-bedingungen“, sagt Verbandspräsidentin Emma Marcegaglia. „Soll die Industrie 2020 einen Anteil von 20 Prozent am Bruttoinlandsprodukt haben, muss 

Europa die Überregulierung beenden und zulassen, dass die Digitalisierung der Wirtschaft jene Innovationskräfte freisetzen kann, die in vielen Betrieben und Branchen schlummern.“ 

Derzeit sind Unternehmer und Manager besorgt über die Situation der europäischen Wirtschaft. Das ist ein Fazit von „Accelerating Europe’s Comeback – Digital Opportunities for Competitiveness and Growth“, einer Studie von Businesseurope, European Business Summit und Accenture. Zwar bauen die Befragten darauf, dass die digitalen Technologien künftig Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit vorantreiben – zwei Drittel erwarten das auch für ihre eigene Branche. Gleichzeitig befürchtet aber jeder Zweite, Europa werde 2017 bei deren Entwicklung und Nutzung hinter den USA und China liegen. Trotz dieser Skepsis glauben viele Entscheider, dass die EU mit ihrer „Digital Agenda for Europe“ auf dem richtigen Weg sein könnte, wenn sie den Kurs nur konsequent fortsetzt. 

Bessere Rahmenbedingungen nötig 

Stärkeres Engagement zeigen sollte die EU bei klassischen Infrastrukturprojekten wie dem Ausbau von Kabel- und Mobilfunknetzen. Während in den USA bereits der schnelle 5G-Übertragungsstandard in den Startlöchern steht, telefonieren viele Europäer noch mit 3G. Soll die Wirtschaft eine digitale Dividende einfahren, braucht sie aber auch Unterstützung in weiteren Bereichen. Dazu zählt die Aus- und Fort-bildung von Fachkräften, damit neue Technologie überhaupt qualifiziert eingesetzt werden kann. 

Wichtig sind zudem bessere Bedingungen für Gründer: Startups dienen als Inkubator für Innovationen. 

Außerdem muss die Regulierung in Europa grenz-übergreifend vereinheitlicht werden. Cloud Computing beispielsweise ist gerade deshalb interessant, weil ein Dienstleister seine Kunden in Sachen IT-Hard- und Software weitgehend unabhängig von Raum und Zeit machen kann – und damit effizienter und agiler. Gilt es hier jedoch, die konkurrierenden Landesgesetze in der EU erst zu finden, dann zu studieren und schließlich im Tagesgeschäft zu beachten, lassen sich die erwarteten Wettbewerbsvorteile kaum noch realisieren. 

www.accenture.com/EuropeEconomicGrowth 

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