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Wettbewerbsfähigkeit | CEO-Agenda CEOs müssen ihre Baustellen erkennen

Europas Manager unterschätzen den Einfluss neuer digitaler
Technologien auf ihre Branchen. Vor allem deutsche
Vorstände müssen sich intensiv mit der Frage
beschäftigen, wie ein Unternehmen im
Zeitalter der Digitalisierung
wettbewerbsfähig bleibt.

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Auf den ersten Blick sehen die Daten gut aus: Robustes Wirtschaftswachstum, enormer Export-überschuss, sinkende Arbeitslosenquote, steigende Steuereinnahmen und der ausgeglichene Staats-haushalt vermitteln den Eindruck, der Standort Deutschland floriere wie lange nicht mehr.

Dazu passt, dass viele Konzerne trotz eines starken Euro und politischer oder konjunktureller Krisen rund um den Globus glänzende Ergebnisse melden – in den Vorstandsetagen dürfte also ziemlich viel richtig gemacht worden sein. 

Deutschland droht zurückzufallen 

Bei genauerer Betrachtung erscheinen die Aussichten für deutsche Unternehmen aber eher durchwachsen. Getrübt wird das Bild beispielsweise durch eine Umfrage der Economist Intelligence Unit (EIU) für das Accenture CEO Briefing 2014, „The Business Agenda for Europe: Growth in a Digital World“. Zwar rechnen

die Manager in den großen europäischen Staaten auf absehbare Zeit mit guten Geschäften und wollen auch mit zusätzlichen Angeboten weitere Märkte erobern. In Deutschland sagen vier von fünf Befragten, außerhalb des Heimatmarkts würden in den nächsten Jahren neue Produkte für neue Kunden der wichtigste Umsatztreiber. 

Zugleich belegt die Studie, dass Europa auf einem für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidenden Feld zurückfällt: dem Einsatz digitaler Technologien zur Entwicklung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. „Die USA und China investieren hier massiv, weil sie erkannt haben, dass  Digitalisierung wesentlich für künftiges Wachstum ist“, sagt Jo Deblaere, Group Chief Executive von Accenture Europe. „Die CEOs vieler europäischer Konzerne sehen die erheblichen Auswirkungen der Digitalisierung auf ihr Geschäft nicht und gehen das Thema kaum an.“ Wie die EIU-Zahlen zeigen, ist es höchste Zeit zum Umdenken.

Die aktuelle Stärke vor allem deutscher Unternehmen liegt zwar auch im Technologieeinsatz begründet, er dient aber eher der Kostensenkung und Effizienz-steigerung. Erfolge in diesem Bereich, in dem 70 Prozent der in Deutschland Befragten den Haupt-nutzen digitaler Technologien sehen, scheinen den Blick auf deren wahres Potenzial zu verstellen. Als Instrument zur Umsatzsteigerung sieht sie nur jeder Vierte – im Durchschnitt aller Länder sind es 45, in China 70 Prozent. 

Ebenfalls unterschätzt wird die Bedeutung von Themen wie Cloud Computing, Social Media, E-Commerce, Analytics, mobile Geräte und Dienste oder Kommunikation von Maschinen untereinander für Service und Kundenorientierung: Nur jeder Zweite in Deutschland glaubt, dass diese Technologien seine Geschäftsbeziehungen stärken oder profitabler machen.

Es reicht nicht mehr, nur die Effizienz zu steigern sowie die Kosten zu senken 

In den USA sagen das 69 Prozent der Befragten, in China sogar 89 Prozent. Natürlich ist es richtig, an Effizienz sowie Kostensenkungen zu arbeiten. Aber die europäischen Konzerne sollten so investieren, dass die digitalen Technologien ihnen helfen, ambitionierte Umsatzziele zu erreichen. Denn Digitalisierung stößt Innovationen und Wachstum nicht nur an – sie ermöglicht es Unternehmen, durch erheblich bessere Angebote sowie eine viel stärkere Kundenorientierung ein ganz neues Niveau zu erreichen. 

Digitalisierung wird unterschätzt

Bislang scheint diese Erkenntnis in wenigen deutschen Vorstandsetagen anzukommen. Egal ob es um neue Produkte, besseren Service, weitere Vertriebskanäle, gezielte Personalsuche oder wirkungsvolle Corporate Governance geht – nur ein Bruchteil der Befragten  

meint, hier wären Investitionen in die digitalen Technologien von besonderer Bedeutung. Auffällig auch: Kaum jemand will sich vorstellen, dass die fortschreitende Digitalisierung bald seine Branche komplett transformieren könnte. Wirklich klar sind die dramatischen Veränderungen, vor denen die Wirt-schaft steht, nur jenen, die sie durch ihre Produkte und Dienstleistungen selbst vorantreiben: „Die Digital-isierung betrifft so gut wie jede Industrie“, meint Franck Cohen, President for Europe, the Middle East and Africa bei SAP. „Dramatisch sind die Auswir-kungen natürlich für Medien- und Telekommuni-kationskonzerne, aber Traditionsunternehmen im Konsumgütersegment müssen sich ebenfalls neu erfinden." Selbst solche Branchen wie der Bau, wo es eigentlich um handfeste Produkte geht, werden durch den Einfluss der Digitalisierung erhebliche Veränderungen bei der Leistungserbringung erleben. 

www.accenture.com/CEOBriefingEU 

 

 

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